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Geschichte des Schützen- und Heimatvereins Niesen

(Quellen: Niesen – Ein Dorfportrait 2000 und Auszüge aus der Ortschronik von Johannes Vogt)

 

Im Folgenden soll ein kurzer Auszug mit wichtigen Eckdaten die Geschichte des Schützen- und Heimatverein Niesen näher bringen. Auf Namensnennungen  wurde absichtlich verzichtet, um Verwechslungen oder gar das Vergessen von Personen auszuschließen.

 

In den Jahren 1515, 1590 und 1593 fielen holländische und spanische Freibeuter ins Paderborner Land ein und verübten ungeheure Gräueltaten wie Raub, Mord und Brandschatzung. Der Fürstbischof floh daraufhin aus Paderborn zur Burg Dringenberg. Der Landtag tagte in dieser Angelegenheit auf Schonlau bei Dringenberg, erreichte zur Sicherung des Landes jedoch nichts, da fremde Hilfe nicht zu erwarten war. Man musste sich daher, in dieser Zeit der Bedrängnis, selbst helfen und gründete die Schützenbruderschaften. In Niesen war das im Jahre 1593.

 

Die älteste vorliegende „Statuta“ der Niesener Schützenbruderschaft wurde im Jahre 1722 aufgestellt und ist noch im Original vorhanden. Daher wurde dieses Jahr vermutlich als Gründungsjahr für den Verein angenommen. Diese Satzung galt bis zur Auflösung der Bruderschaft im Jahre 1807 durch die Franzosen. Zehn Jahre später, wir waren schon wieder preußisch, wurde die Satzung von 1722 in leicht veränderter Form wieder in Kraft gesetzt. In einem späteren Protokoll vom 03. Mai 1857 wurde festgehalten, dass alle Schützen nach alter Gewohnheit an der Fronleichnam-prozession in Fölsen teilzunehmen hatten.

 

Über das Königschießen ist bekannt, dass ursprünglich auf dem Spielberg auf eine Holzscheibe geschossen wurde. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte jeder Schütze sein eigenes „Geschütz“ mitzubringen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde am Lützer Feldweg geschossen. Dort musste eigens aus Sicherheitsgründen ein Schießkontrollhäuschen aus Beton gebaut werden, da noch mit Karabinern geschossen wurde. Bevor 1983 der Schießstand an der Bürgerhalle errichtet wurde, schoss man mit einem Luftgewehr in einem Provisorisch aufgestellten Schießstand im Saal einer Gaststätte des Ortes, danach in einer Scheune.

 

Schützenfeste feierte man im Zelt oder im Saal. 1901 beschloss man den Bau eines Schützenlokals hinter dem alten Feuerwehrgerätehaus am Lützer Feldweg. Das Projekt scheiterte jedoch. Der damalige Graf wollte ein Teil des nötigen Baugeländes nicht zur Verfügung stellen. 1978 begann dann endlich der Bau der Bürgerhalle.

 

Nur durch die Bereitschaft der Niesener in vielen tausend Stunden unbezahlter Arbeit konnte dieses Werk gelingen. Öffentliche Mittel standen nicht zur Verfügung, so dass das Material weitgehend von den 140.000,- DM bezahlt wurde, die aus dem Verkauf des ehemaligen Pastorats erzielt wurden.

Niesener Firmen halfen durch kostenlose Bereitstellung ihres Geräts. Das Holz für den Dachstuhl wurde ebenfalls gestiftet.

Schützenfeste fanden mit Ausnahme von Kriegszeiten oder sonstigen ungewöhnlichen Ereignissen jährlich statt. Nach dem 1. Weltkrieg wurde erstmals 1920 und nach dem 2. Weltkrieg 1949 gefeiert. Königschießen war lange Zeit am zweiten Pfingsttag, das Schützenfest wurde um Fronleichnam gefeiert. 1932 verlegte man es auf den zweiten Pfingsttag, 1959 auf den Anfang des Monats Juli und seit 2006 wird nun wieder um Fronleichnam gefeiert. Da es immer schwieriger wurde einen Schützenkönig zu finden, wurde dann auch noch das Königschießen verlegt. Dieses findet nun nicht mehr zwei Wochen vor dem jährlichen Schützenfest statt, sondern seit 2009 während des Schützenfrühstücks. Die Königsfindung wurde hierdurch prompt verbessert. Der neue Kronprinz löst nun den amtierenden König am Proklamationsabend vor dem darauffolgenden Schützenfest ab.

 

Auf Grund eines Streits zwischen dem damaligen Grafen und der Schützenbruder- schaft nahm man ab 1882 nicht mehr an der Fronleichnamprozession teil und zahlte auch nicht mehr die dazu spielende Musikkapelle. Als sich dann auch noch der Fölsener Pastor, der Präses der Niesener Bruderschaft war, auf die Seite des Grafen stellte, kam es endgültig zum Bruch, so dass 1885 die Bruderschaft aufgelöst und gleichzeitig der bis heute noch bestehende Schützenverein gegründet wurde.

 

Zunächst hieß der Verein „Schützengesellschaft Niesen“. Das Ziel war es, den Grafen wie auch den Pastor von der Mitsprache im Verein auszuschließen. Dies gelang zwar, aber daraufhin weigerte sich der Pastor prompt, die 1889 neu ange-schaffte Fahne zu weihen. Die verweigerte Fahnenweihe wurde erst von einem anderen Geistlichen 1964 nachgeholt. Noch heute ist die Fahne in einer eigens angeschafften Vitrine in der Bürgerhalle zu sehen.

 

Zur Zeit der Nationalsozialisten musste auf deren Druck hin eine neue Satzung aufgestellt werden und der Verein nannte sich in Heimatschützenverein um. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der heutige Name „Schützen- und Heimatverein“ gewählt.

 

Die Satzung von 1937 ist nicht mehr vorhanden. 1966 gab sich der Verein eine neue Satzung, die 1986 überarbeitet werden musste. Zudem ließ sich der Verein beim Amtsgericht eintragen.

 

2007 wurde wiederum eine Satzungsänderung beschlossen, da der 1992 gegründete Jungschützenzug (2. Zug) endlich in die Statuten aufgenommen werden sollte. Außerdem schaffte man nun die Möglichkeit Ehrenmitglieder zu ernennen, die dem Verein 60 Jahre die Treue gehalten haben. Weitere Änderungen in der Satzung standen 2016 an, da der Verein mittlerweile die Gemeinnützigkeit erlangt hatte.

 

Für die heutigen Niesener dürfte es interessant sein zu erfahren, dass es erst seit 1928 einen Hofstaat gibt, der damals durch sechs Paare gebildet wurde. Davor begeleiteten Ehrenjungfrauen den König, bzw. das Königspaar.

 

Der Verein erhielt 1977 eine neue Fahne, die noch heute im 1. Zug der Kompanie getragen wird. Der 1992 gegründete 2. Zug erhielt entsprechend 1993 eine eigene Schützenfahne.

 

Noch zu erwähnen sei, dass seit dem 2. Weltkrieg die Schützen bei Umzügen ein mit Blumen geschmücktes Holzgewehr tragen, da das Tragen von echten Waffen verboten wurde.

 

Weiter bestand 20 Jahre lang, von 1956 bis 1976, eine Doppelspitze im Verein, bestehend aus einem Vorsitzenden und einem Oberst, bzw. Hauptmann.

 

Erst 2003 beschloss der Verein, den schwarzen Anzug, der bis dahin im Umzug getragen wurde, gegen eine grüne Schützenuniform einzutauschen. Das dazugehörige Ärmelabzeichen zeigt die jeweiligen Bildnisse der Schützenfahnen. Die dörfliche Pfarrkirche von der Fahne des 1. Zugs, sowie die gekreuzten Gewehre mit der Schießscheibe der Jungschützenfahne.

 

Nach 125 Jahren nimmt der Verein seit 2007 sogar wieder mit einer Fahnenabordnung an der Fronleichnamprozession in Fölsen teil. Einer Anfrage des Pastors der Pfarrgemeinde mit der Bitte, damalige Streitigkeiten ad acta zu legen, wurde damit entsprochen.

 

Außerdem wird zum Schützenfest und zum jährlichen Volkstrauertag am Kriegerehrenmal auf dem Friedhof ein Kranz zum Gedenken an die verstorbenen Schützenbrüder, bzw. den Gefallenen der Weltkriege gedacht.

 

Noch heute gelten im Verein die Leitworte „Glaube, Sitte, Heimat“. Auch weiterhin werden alte Traditionen aufrechterhalten und danach verfahren.

 

Daher bleibt zum Schluss nur noch zu sagen und dies wird unlängst im Niesener Heimatlied so treffend beschrieben:

 

„Wenn mir einstmals dann das Auge bricht und das Lebenslichtlein dann erlischt, wo die Nethe sich und Hegge grüßen, da legt mich dem Heimatland zu Füßen!“